Aparigraha-Loslassen

Sokrates

“Das Geheimnis des Wandels besteht nicht darin, all deine Energie auf den Kampf gegen das Alte zu richten, sondern darauf, das Neue zu bauen.”

Das Leben gleicht einem Fluss. Er verändert stetig seine Form, nimmt neue Wege, umspült Hindernisse, wird ruhiger und wilder – und offenbart dabei immer wieder neue Schönheiten. Nichts bleibt, wie es war, und genau darin liegt seine Lebendigkeit.

In dieser sich ständig wandelnden Landschaft hat alles seinen Platz: jede Begegnung, jede Erfahrung, jedes Lachen und jede Träne. Es ist dieses fortwährende Entstehen und Vergehen, das Spiel von Anfang und Ende, das das Leben unvorhersehbar und zugleich so kostbar macht.

Auch wir im Urban Yoga sind Teil dieses Flusses. Menschen kommen und gehen, Klassen verändern sich, neue Impulse, Formate und Lehrerinnen bereichern den Raum. Vertrautes darf sich lösen, Unbekanntes tritt hinzu. Wandel gehört dazu – im Leben wie in der Praxis.

Ja, Veränderung kann verunsichern. Sie fordert uns heraus, Gewohntes loszulassen und uns auf Neues einzulassen. Und doch ist sie notwendig. Sie ist wie eine frische Brise, die alte Blätter von den Bäumen weht und Platz schafft für neues Wachstum.

Schon Heraklit wusste: Panta Rhei – alles fließt.

Das anpassungsfähige Gehirn

Dass Veränderungen Widerstand in uns auslösen können, ist zutiefst menschlich. Unser Gehirn liebt Bekanntes. Gewohnheiten geben Sicherheit. Die Neurowissenschaft beschreibt diese Prägung als Neuroplastizität – die Fähigkeit unseres Gehirns, sich durch Wiederholung und Erfahrung zu formen.

Was dabei oft übersehen wird: Neuroplastizität bedeutet nicht nur Festhalten, sondern auch Wandlungsfähigkeit. Unser Gehirn kann lernen, sich neu ausrichten, neue Verbindungen schaffen. Jede neue Erfahrung – ob freiwillig oder herausfordernd – hinterlässt Spuren und eröffnet neue Möglichkeiten.

Studien zeigen, dass selbst im Erwachsenenalter Veränderung möglich ist. Lernen, Anpassen, Wachsen – all das bleibt ein Leben lang Teil unseres Seins. Das Gehirn ist nicht starr. Es ist lebendig. Genau wie wir.

Veränderung ist daher nicht nur unvermeidlich, sondern auch zutiefst bereichernd.

Loslassen als Praxis

Auch die Yogaphilosophie kennt diesen Gedanken. In den Yoga-Sutras beschreibt Patanjali mit Aparigraha das Prinzip des Nicht-Anhaftens, des Loslassens.

Aparigraha lädt uns ein, nicht festzuhalten – an Vorstellungen, Erwartungen, Rollen oder Sicherheiten. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Loslassen bedeutet, Raum zu schaffen. Für Entwicklung. Für Bewegung. Für das, was entstehen möchte.

Wie in der Asana-Praxis erfahren wir auch im Leben: Stabilität entsteht nicht durch Starrheit, sondern durch Anpassungsfähigkeit. Durch die Bereitschaft, immer wieder neu auszurichten – körperlich, mental und emotional.

„Wenn wir mutig genug sind, Abschied zu nehmen, öffnet das Leben einen neuen Weg für uns.“
-Paulo Coelho

Vom Mut, das Unbekannte zu umarmen

Die Veränderungen, die uns begegnen – im Studio wie im Leben – sind Einladungen. Einladungen, neugierig zu bleiben. Zu lernen. Zu wachsen. Uns gegenseitig zu begleiten.

Dein Gehirn ist bereit für Neues.
Deine Yogapraxis schenkt dir Halt im Wandel.

Mit offenem Herzen, mit Vertrauen und vielleicht auch mit einem leisen Lächeln dürfen wir diesen Weg gehen. Denn wenn eines sicher ist, dann dies: Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung selbst.

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